Nachbarn auf Balkon

Frühlingsgefühle, Wort des Monats März 2021

Das Wort des Monats ist: Frühlingsgefühle. Meine Aufgabe besteht nun darin, aus diesem Wort eine Geschichte oder einen ganz normalen Blogbeitrag darüber zu schreiben. Klingt nicht schwer, doch sitze ich hier heute und habe ein Problem damit, den richtigen Einstieg zu finden. Aber da kommt einfach nichts. An einer Schreibblockade glaube ich ja nicht, jedenfalls nicht im direkten Sinn. Da habe ich bereits diesen Artikel zu geschrieben. Es ist ein akuter Mangel an Motivation, der mich plagt. Ich nenne das mal den Montagsblues. Und gegen den kämpfe ich jetzt, bis ich einen Text zum Wort des Monats habe.

Sind das Frühlingsgefühle?

Ich sitze nun seit Stunden vor dem Fenster und beobachte die Leute. Sie haben es eilig, suchen Schutz vor dem Sturm. Der kalte Regen peitscht ihnen ins Gesicht. Mit ihren Händen versuchen sie ihn vergeblich davon abzuhalten. Es ist März und in wenigen Tagen haben wir schon Frühlingsanfang. Die Temperaturen sind in diesem Winter das reinste Berg-und-Tal-Spiel. Gestern noch um den Gefrierpunkt, heute schon fast im zweistelligen Bereich. Das schlaucht und hemmt die Freude an allem, was man vor hat. Zumindest bei mir. Und bei der Tante gegenüber auch. Es ist nicht meine. Ich nenne die nur so, weil die mich an meine Tante erinnert. Vom Weiten könnte sie es tatsächlich sein, doch lebt meine nicht mehr. Also ist sie nur eine Person, die ihr sehr ähnlich sieht. Wahrscheinlich macht sie das Gleiche wie ich. Warten. Worauf? Wenn ich das wüsste, würde ich mich damit beschäftigen, anstatt das Treiben der Menschen draußen zu beobachten. In der Hand halte ich einen großen Becher Tee mit Eukalyptus und Salbei. Bin etwas verschnupft und fühle mich auch nicht wirklich gut. Vielleicht ist das der Grund für meine Gedankensprünge. Ich sinniere lieber, als zu handeln. Aber wo ich gerade dabei bin zu denken, stelle ich das doch gleich richtig an. Während meiner Phase des Fabulierens kommen doch ein paar Sonnenstrahlen durch die grau-schwarze Suppe aus Wolken. Das fühlt sich gut an. Sie treffen auf meine Haut und wärmen mich sofort. Sehr kraftvoll die Strahlung vom Feuerball aus dem Weltraum. Und sogar gefährlich. Sofort fällt mir Hautkrebs ein, die Strahlenkrankheit, Atombombe. Halt. Atombombe? Wie komme ich denn jetzt auf dieses unnötig erfundene Dings. Mehr als Tod, Zerstörung und Krankheit bringt die nicht. Doch was war das? Wer ist diese anmutig graziöse Gestalt da drüben. Die habe ich ja noch nie gesehen. Da fällt mir ein, die Wohnung im siebten war ja ein Leerstand. Kein Wunder, das ich sie noch nicht gesehen habe. Wohne ja fast gegenüber im Nachbarhaus. Was ist nur los mit mir. Fühle mich mit einem Mal so wohl. Es kribbelt in meiner Magengegend. Das hatte ich als Kind auch mal gehabt. Ich kann mich nur nicht daran erinnern, wobei es so war. Da, sie schaut aus dem Fenster. Mein Kopf wird ganz warm. Wie bei einem Reflex hebe ich meine rechte Hand und winke ihr zu. Oh Gott! Warum hab ich da getan? Wie peinlich ist das denn? Meine Beine sind ganz weich. Am liebsten würde ich weggehen, raus aus dem Sichtfeld. Ich kann nicht. Klebe am Boden fest. Meine Beine zittern, ich zittere am ganzen Körper. Da fällt es mir ein. Diese Gefühle hatte ich, als ich mich in der Schule in Larissa verguckt habe. Eigenartig. Nach so langer Zeit spüre ich eine starke Veränderung in meinem Körper. Ich starre die ganze Zeit über weiter zu ihr rüber. Die denkt bestimmt, ich bin ein Spanner oder ein perverser. Aber sie ist ja nicht mehr da. Langsam bekomme ich wieder die Kontrolle über meinen Körper zurück. Ich setz mich erstmal und stelle den schweren Becher auf den flachen Tisch ab. Es klingelt. Wer ist das? Ich erwarte kein Besuch. Zumindest nicht heute. Bestimmt wieder die Post. Paket für irgendeinen Nachbarn, der nicht aufmacht oder auf Arbeit ist. Na gut, mach ich mal auf. Als ich die Wohnungstür öffne, kippe ich fast aus den Latschen. Sie ist es! Die hübsche Frau von gegenüber. Nur ist sie aus der Nähe noch viel schöner. Sie fragt mich, ob ich sie meinte mit dem Winken. Ich bejahte es mit einem verblüfften Nicken. Sie schien darüber sehr erfreut, ich bat sie herein. Drinnen unterhielten wir uns eine lange Zeit. Sie erzählte mir, dass sie hier niemanden kennt und froh über meine Reaktion war. Ihre Neugierde trieb sie zu mir. Ich musste an meine Gefühle denken. Das Kribbeln im Bauch, das Zittern, die Wärme. Sie schaute mich dabei an, als könne sie meine Gedanken lesen. Doch sie sagte nur, ich empfinde auch so, wie du. Da stellte ich fest, dass ich laut gedacht haben muss. Aber egal. Wir treffen uns seitdem regelmäßig, damit wir uns besser kennenlernen können. Seitdem sind wir schon ein Paar.

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