Schubkarre Schrebergarten

Schreibübung 14: Gartenhäuschen

Es klappt ja Reibungslos. Die heutige Schreibübung 14: Gartenhäuschen wirkt abenteuerlich auf mich. Nun bin ich eigentlich nur noch gespannt, auf das Endergebnis. Es wird sowieso anders, als ich es mir bisher ausgemalt habe. Vor meinem inneren Auge sehe ich … einen großen Becher Kaffee … bin gleich wieder da!

(Ironie an)
Tschuldigung! Dauerte etwas länger. Habe mir unterwegs noch zwei Scheiben warmen Toast in den Schlund geschoben. Mit einem Hauch von Butter und ein winziges Prischen Salz. Ja, ok! Auf der einen Scheibe war Fleischsalat! Ertappt!
(Ironie aus)

Schreibübung 14: Gartenhäuschen

Er war nicht weit weg von meiner jetzigen Unterkunft, der Kleingartenverein. Vielleicht zwanzig Minuten mit dem Auto. Deshalb kaufte ich ihn, den Schrebergarten. Schon beim ersten Betreten verliebte ich mich ihn diese kleine grüne Oase. Logisch angelegte Wege und Beete, ein saftig grüner Rasen, eine in Bauchhöhe dunkelgrüne Hecke, eine Kompostecke und ein hübsches dunkelbraunes Gartenhäuschen am hinteren Ende der Parzelle. Ich setzte mein Pokerface auf, um den ehemaligen Besitzer mein Interesse nicht unnötigerweise auf die Nase zu binden. Das verschaffte mir einen gewissen Spielraum, um zu verhandeln. 7000 EUR sollte die Parzelle mit allem darauf kosten. Auf die modrigen Möbel und die in die Jahre gekommenen Gartengeräte war ich nicht wirklich scharf. Zu Anfang waren sie nützlich, dann aber nur noch Dekorationen.
Ich ließ mir viel Zeit bei der Begehung, sah mir jedes Detail an und moserte viel herum. Ich dachte schon, ich würde gleich zum Gehen aufgefordert. Doch das passierte zu meinem Glück nicht. Im Gegenteil. Es hatte den Anschein, dass ich der einzige Interessent war. Erst tat der Besitzer so, als würde er mir nicht einen Euro  entgegenkommen. Da erinnerte ich ihn erneut an die von mir entdeckten Mängel, die eigentlich nur Pipifax waren. Daraufhin startete eine Verhandlung wie im Bilderbuch. Er wollte den Garten mit dem ganzen Krempel schnell loswerden. Das nutzte ich aus. Erzählte ihm von der ganzen Arbeit und den Entsorgungskosten, zählte jede Kleinigkeit auf, die er sich ersparen würde. Überzeugte ihn dann mehr und mehr.
Nach langem Hin und Her landeten wir schließlich bei 3.500 EUR in Bar. Das war genau das, was ich bei mir trug. Dieser Preis kam mir mehr als nur gelegen, es war mein ganzes und fast letztes Geld. Ein kurzer Kaufvertrag wurde unterzeichnet, das Geld übergeben, die Hände geschüttelt, sich alles Gute gewünscht, auf die Schulter geklopft, ein schwerer Abschied durchlebt, sich umarmt, erneut die Hände geschüttelt, Tränen gewischt, gewunken, gewartet, bis der einstige Besitzer endlich aus dem Sichtfeld verschwand, gebetet, das er nicht zurückkommt, gefreut, das er wegfuhr, gefreut, das ich einen sehr günstigen Kleingarten erstanden habe. Innerlich machte ich einen Luftsprung. Ich ging zu meinen Wagen auf dem Parkplatz, nahm die Schubkarre mit. Dort holte ich meinen Besitz raus und lud alles in die Schubkarre, brachte es auf meine neue Parzelle. Das wiederholte ich einige Male, bis mein Auto leer war.

Nachdem ich die Laube gereinigt und mein ganzes Zeug eingeräumt hatte, spazierte ich etwas durch die Gartenkolonie. Gelegentlich traf ich ein paar andere Laubenpieper und kam mit ihnen ins Gespräch. So hatte ich gleichzeitig die Möglichkeit ergriffen, mich vorzustellen. Nach dem Motto: Hey, ich bin der Neue aus Parzelle 123.
Als es dämmerte, ging ich zurück, kochte mir einen Kaffee in der minimalistischen Kochecke, die aus zwei Herdplatten, einer Mikrowelle, Kaffeemaschine und Wasserkocher bestand, und setzte mich auf die Terrasse an den runden Tisch. Nun musste ich nicht mehr in meiner vorigen Unterkunft schlafen. Jetzt hatte ich eine Adresse, eine gemütliche Schlafcouch, die Küche und ein richtiges Dach über dem Kopf. Dazu noch einen Garten, wo ich mir selbst Obst und Gemüse anbauen und nach getaner Ernte Einwecken kann. Jetzt konnte ich auch einen richtigen Job suchen. Besser als der laute Parkplatz, wo ich zuvor im Auto schlief und täglich Angst haben musste, überfallen zu werden. Hier waren freundliche Leute. Einige davon das ganze Jahr über, so wie ich nun auch in meinem Gartenhäuschen.

Ende

Letzte Worte zu dieser Schreibübung

Ich sage nur: UFF. Da hat sich doch glatt eine schöne Geschichte aus einem simplen Wort herausgebildet. Toll, gefällt mir ganz gut soweit. Rechtschreibfehler dürft ihr behalten, falsche Zeichensetzungen im übrigen auch.
Ich hoffe diese Schreibübungs-Geschichte ist auch nach eurem Geschmack. Wenn nicht …  dann eben nicht.
Auf jeden Fall bedanke ich mich für das Lesen meiner Texte.

Euer Tino

Bild von Nadine Doerlé auf Pixabay

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